Unsere Konzertreihe orientiert sich unter dem Titel „Hortus deliciarum – köstliche Natur und göttliche Schönheit“ wieder am Motto des Kultursommers, das dieses Jahr aus Anlass der Bundesgartenschau in Koblenz „Natürlich Kultur“ lautet und das Verhältnis von Natur und Kultur in den Mittelpunkt rückt. In der Kultur des europäischen Mittelalters kristallisiert das Verhältnis zur Natur beispielhaft im Phänomen des Gartens: Sowohl im klösterlichen wie im höfischen Bereich trennt der Garten die vom Menschen domestizierte und geordnete, von der wilden, unberechenbaren und gefürchteten Natur. Die Grenze zwischen diesen beiden Naturwelten bildet die Mauer, die den Garten umschließt, hegt und schützt.
Hat diese Mauer zunächst die ganz handfeste Aufgabe, den Nutzgarten und damit die Ernährungsgrundlage vor Gefährdungen von außen abzuschirmen, so nimmt diese Grenze auch
In solch arkadische Heiterkeit (ver-)führt das Eröffnungskonzert unserer Reihe mit dem italienischen Ensemble La Reverdie, das – ganz dem Reihen-Motto verpflichtet – dieses Mal open air statt findet. Im Garten von St. Lambertus in Bechtheim erklingen unter dem Titel „La Caccia di Diana“ Auszüge aus der gleichnamigen Dichtung von Giovanni Boccaccio sowie thematisch darauf
Als französisches Pendant hierzu widmet sich das Konzert des Ensembles Tetraktys in Offenbach-Hundheim Kompositionen aus dem „Codex Chantilly“, eine kunstvoll kalligraphierte Handschrift, die äußerst verfeinerte Musik der so genannten „ars Die Termini „hortus conclusus“ oder „hortus deliciarum“ verweisen bereits auf eine ebenfalls mit dem Garten konnotierte religiöse Dimension: Auch in den Klostergärten des Mittelalters verbinden sich Nützlichkeit und geistige Erbauung. Heilkunst und religiöse Versenkung, wie sie etwa Wahlafried Strabo im 9. Jahrhundert in seinem Gartengedicht „Hortulus“ beschreibt, gehen eine direkte Verbindung ein. Ausgehend vom Hohelied erfährt der Garten eine marianische und zugleich erotische Interpretation. Bereits das Wort „Garten“ ist von seiner indogermanischen Sprachwurzel „gher“ her mit dem Wort „umgürten“ verwandt, und auch das Wort „Paradies“ bedeutet im Persischen ursprünglich „Einzäunung“. Hieraus ergeben sich topische Bilder von Maria, die als schönste Blume in unversehrter Keuschheit im Paradiesgarten erblüht, aber auch vom Lustgarten, der die begehrte und unerreichbare Dame des höfischen Minnedienstes umgibt. |
Die hiermit angesprochenen Motivfelder der Marienverehrung und des Minnedienstes im Zeichen des Hoheliedes und der Thematik des Gartens haben auf vielfältige Weise Niederschlag nicht nur in der Literatur und der Buchmalerei, sondern auch in der Musik gefunden.
Solchen Spuren folgt das Konzert von Ars Choralis Coeln in der Krypta des Doms zu Speyer in Handschriften und Liederbüchern aus dem Gebiet um Köln, des Niederrheins und der Niederlande im 14. Jahrhundert. Unter dem Begriff der „devotio moderna“ geben die darin enthaltenen Lieder Zeugnis von einer verstärkten Ebenfalls im Speyrer Dom findet außer der Reihe am 3.9. um 20 Uhr ein Sonderkonzert des Ensembles Sarband zusammen mit dem Osnarbrücker Jugendchor unter dem Thema „Llibre vermell – das rote Buch: Mittelalterliche Pilgergesänge aus Spanien“ statt, auf das wir an dieser Stelle empfehlend hinweisen möchten.
Ein anderes weit verbreitetes Bild für Maria, „Flos de spina“ – die Blume unter den Dornen“, gibt dem Konzert des Ensembles Archaica im Stift St. Fabian in Hornbach den Namen. Ausgehend von Gesängen zur Verehrung Mariens unternimmt das Ensemble eine spannende Reise durch das Kirchenjahr und stellt die verschiedensten Naturphänomene – Wasser, Licht, Feuer, Erde – , wie sie, vielfach ganz unerwartet, in ein- und mehrstimmiger
Am Abschluss unserer Konzertreihe steht bezeichnenderweise ein enzyklopädisches Werk des Hochmittelalters, der berühmte „Hortus deliciarum“ (= Garten der Kostbarkeiten) der Herrad von Landsberg aus dem 12. Jahrhundert. Die gelehrte Äbtissin des Klosters Hohenburg auf dem Odilienberg im Elsass fasst darin
Sie sind herzlich eingeladen: Nehmen Sie Platz und Prof. Dr. Stefan Johannes Morent
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Auch im Kontext des höfischen Romans – es sei hier nur der