Zacara-Triduum

Europäische Wege zu Ehren eines Vorreiters früher europäischer Musik

Ensembles


Micrologus
Leones
Currentes

Freitag, 6. - Sonntag 8. Oktober 2017

67547 Worms, Liebfrauenkirche St. Martin, Dom

In Kooperation mit dem Festival "wunderhoeren"

Workshops

Rosetta I
Rosetta I

Im Spätsommer 1416 verbreitete sich die Nachricht vom Tod eines der führenden Vertreter europäischer Musik zur Zeit des Großen Abendländischen Schismas: Antonio Zacara da Teramo. Er starb vermutlich in seiner Heimat, wo er seine letzten Lebensjahre als Leiter der lokalen Kathedralkapelle verbrachte. Zacara, der schon seit der Regierungszeit Bonifaz’ IX Mitglied der päpstlichen Kapelle war, kam bereits in jungen Jahren als Mitglied einer Familie von Illuminatoren nach Rom. Sie wurde wahrscheinlich – wie so viele andere Familienbetriebe – herangeholt, um an der Rückführung der Bibliothek des Heiligen Stuhls von Avignon an die Kurie in Rom mitzuwirken. Zacaras schneller Aufstieg erscheint überraschend angesichts der Tatsache, dass er von Geburt an unter Phokomelie litt und einige seiner Finger sowie ein ganzer Arm unbrauchbar waren. Ganz im Gegenteil aber belegt es seine Vielseitigkeit und Brillanz sowohl im Bereich der Musik wie auch in der Dichtkunst – und dort besonders als Autor der oft rätselhaften Liedtexte seiner weltlichen Kompositionen, die noch 50 Jahre nach seinem Tod in ganz Europa berühmt waren. Ein wichtiges Beispiel dafür sind seine Ballatas über das Thema der „Fortuna“, die wie eine imaginäre Vertraute fungierte während der Zeit des beruflichen Exils zwischen der Aufgabe seiner Position bei Papst Gregor XII und seiner Anstellung in der Kapelle des Antipapstes Johannes XXIII.

All dies geschah vor dem Hintergrund

der Konzilien von Pisa und Konstanz, auf denen Zacaras Kunstfertigkeit als Komponist europaweiten Modellcharakter für die Musik der Liturgie errang. Die internationale Dimension dieses außergewöhnlichen Komponisten, der erst in jüngerer Zeit von Musikwissenschaftlern neu entdeckt wurde, hat drei namhafte Ensembles für mittelalterliche Musik – Currentes (Norwegen; Leitung: Jostein Gundersen), Leones (Deutschland; Leitung: Marc Lewon), und Micrologus (Italien; Leitung: Patrizia Bovi) – dazu bewegt, ihre Erfahrungen anlässlich Zacaras 600. Todestags zu einem ambitionierten Projekt zu vereinen: Es werden drei eigens erstellte Konzertprogramme zur Aufführung gebracht, die Zacara und seinem historisch-stilistischen Umfeld gewidmet sind und die in den drei Herkunftsländer der drei Ensembles jeweils an einem Wochenende mit dazugehörigen Veranstaltungen präsentiert werden sollen - darunter Programmeinführungen und Workshops.
FRANCESCO ZIMEI
(Übersetzung: Marc Lewon)