laReverdie (I)

"Sacri Sarcasmi"
Musik aus der Carmina Burana-Handschrift

Sonntag, 18. September 2016, 20.00 Uhr

67346 Speyer, Krypta im Dom

In Kooperation mit den
Internationalen Musiktagen
Dom zu Speyer

Diabolus

Es war im Jahr 1986, als zwei junge Schwesternpaare aus Italien das Ensemble laReverdie gründeten. Der Name leitet sich von einem poetischen Genre ab, das die Wiederkehr des Frühlings feiert, und verrät damit vielleicht auch schon etwas über den hervorstechendsten Wesenszug dieser Gruppe, die Konzertbesucher und Kritiker seit mehr als 25 Jahren sowohl durch die Intensität ihrer Herangehensweise an die Musik, als auch durch ihr breites und vielfältiges Repertoire vom Mittelalter bis in die Frührenaissance begeistert.

Die Besetzung von laReverdie variiert abhängig vom Repertoire zwischen drei und vierzehn Musikern. Die fundierte Forschung in Verbindung mit langjährigen und intensiven Erfahrungen auf der Bühne und im Studio machen laReverdie zu einem einzigartigen Ensemble, nicht nur hinsichtlich des außergewöhnlichen Enthusiasmus, den die Mitglieder teilen und an ihr Publikum weitergeben, sondern auch hinsichtlich der Souveränität und natürlichen Virtuosität ihres Spielens und Singens. Das Ensemble tritt regelmäßig in Festivals und bei Konzerten in ganz Europa und darüber hinaus auf.

"Sacri Sarcasmi"
Musik aus der Carmina Burana-Handschrift

Das kulturelle Ferment, das Sammlungen wie dem Codex Buranus zugrunde liegt, wurzelt vor allem in den sozialen und kulturellen Umwälzungen in Europa, die man heute als die Renaissance des 12. Jahrhunderts bezeichnet.

Folgend auf Karl den Großen als bedeutenden Förderer der Wissenschaften, gründeten sich in Europa ab dem 9. Jahrhundert immer mehr Schulen und Universitäten: Ein Netzwerk gemeinschaftlicher Kultur, das die seinerzeit zänkischen und renitenten Europäer zumindest kulturell einte. Dieses Netzwerk lebte einerseits durch die lateinische Sprache, andererseits durch die clerici vagantes, die reisenden Gelehrten, die von Universität zu Universität reisten, um von Europas bedeutendsten Meistern zu lernen und sich auszutauschen.

Unter diesen vagabundierenden Intellektuellen finden sich die Autoren der Carmina Burana, Dichter und Litterati mit brillanten akademischen oder politischen Karrieren, die durch Europa zogen, wie auch die kulturellen oder Medienstars unserer Zeit. Und in den Texten von Sammlungen wie den Carmina Burana, in denen Tiraden über die Verfehlungen des Klerus neben amourösen neo-catullianischen Gedichten stehen, lässt sich die gemeinsame stilistische Sprache des Wissens des 13. und 14. Jahrhunderts erkennen: Ein universeller Corpus der Gelehrsamkeit, der ein tiefes Bewusstsein kultureller Identität des mittelalterlichen Europa formte.

SpeyerDer Dom zu Speyer ist nicht nur eines der monumentalsten Zeugnisse des mittelalterlichen römisch-deutschen Kaisertums, sondern auch der bedeutendste Beitrag Deutschlands zur abendländischen Baukunst der Romanik. Der frühesten Bau phase des Domes entstammt die Krypta, eine der größten des Abendlandes, sie ist bis heute unverändert erhalten geblieben. Der zentrale Teil wurde im Jahre 1041 geweiht. Die Gewölbe sind mit sieben Metern für eine Krypta ungewöhnlich hoch. Als Haus- und Grabeskirche der salischen Kaiser diente sie der Grablege von acht deutschen Kaisern und Königen, vier Königinnen und einer Reihe von Bischöfen.