Ensemble Peregrina (CH)

"Miracula"
Mittelalterliche Musik für den hl. Nikolaus

Sonntag, 13. September 2015, 17.00 Uhr

67697 Otterberg, Ehem. Abteikirche

15.30 Uhr Kirchenführung

In Kooperation mit den Otterberger Abteikirchenkonzerten

Peregrina

Das Ensemble Peregrina, 1997 von Agnieszka Budzinska-Bennett in Basel gegründet, erforscht und interpretiert geistliche und weltliche Musik des 12. bis 14. Jahrhunderts. Das Hauptineresse des Ensembles liegt in der frühen Polyphonie und den einstimmigen Repertoires der Notre Dame-Schule und der aquitanischen Nova Cantica; dabei steht die Suche nach einem "Kontrapunkt" zum gängigen Repertoire im Vordergrund. Interpretation und Stil von Peregrina orienterien sich an den originalen Quellenmaterialien und Traktaten sowie an jüngster musikwissenschaftlicher und historischer Forschung. Das Ensemble strebt in seiner Aufführungspraxis grö;ßtmögliche Nähe zu den Quellen an, ohne dabei stimmliche Balance und Klangschönheit zu opfern.

Der Name Peregrina (die Umherziehende) spielt auf den Musik- und Ideenstransfer im mittelalterlichen Europa an, spiegelt aber auch die Wege der Sängerinnen selbst wider. Die Mitglieder des Ensembles schaffen durch ihre verschiedene Herkunft (Polen, Schweiz und USA) ein dynamisches Gleichgewicht und machen durch ihr gemeinsames Musizieren die Interaktion und die Konvergenzen von Kulturen und Geschichten in der von ihnen aufgeführten Musik erlebbar.

Tag des offenen Denkmals
„Miracula"
Mittelalterliche Musik für den hl. Nikolaus

Der Protagonist dieses Programms, der heilige Bischof Nikolaus, der im vierten Jahrhundert in Myra wirkte, hat eine bemerkenswerte "Karriere" gemacht. Er stellt den seltenen Fall eines "interkonfessionellen" Heiligen dar, dazu mit einer gro;ßen Bandbreite an Zuständigkeiten: als Schutzheiliger der Seeleute und Schiffbrüchigen, der Pilger, Diebe, Prostituierten, Anwälte, Apotheker, Schneider, Gefangenen, Studierenden und Kinder.

Seine weltweite Verehrung begann mit den Pilgerreisen zu seinem Grab in Myra und setzte sich mit der späteren Überführung seiner Gebeine in die italienischen Städte Venedig und Bari fort. Die Wunder des Heiligen Nikolaus waren in der Welt des Mittelalters wohlbekannt; in vielen literarischen und musikalischen Werken finden sich Erzählungen aus seinem Leben: So rettete er in Seenot geratene Schiffsleute, bezahlte die Aussteuer für drei Töchter und bewahrte diese so vor dem Bordell, oder beendete eine Hungersnot in Myra durch ein Kornwunder.

Das renommierte Frauen-Ensemble Peregrina illustriert diese Wundertaten des hl. Nikolaus musikalisch mit Kompositionen aus der Schule von Aquitanien (12. Jh.), der Notre-Dame-Schule zu Paris (13. Jh.) und aus dem mittelalterlichen England (13. Jh.).

Die Fundamente für die gesamte Klosterkirche Otterberg wurden vor 1168 und bis nach 1177 gelegt. 1253 war die Kirche noch nicht vollständig fertig, was eventuell mit der besonderen entwässerungstechnischen Situation zusammenhängt, mit der man bis heute zu kämpfen hat. Im Jahre 1254 konnte die Kirche geweiht werden. Obwohl sie zu den größten romanischen Kirchen der Region gehört, belegen die westliche Giebelöffnung und die flacheren Gewölbescheitel, dass man mit gotischen Formen vertraut war. Mit der Zisterzienserkirche hat die oberrheinische Spätromanik und ihre Vorliebe für den Massenbau einen Höhepunkt erreicht.