Ordo Virtutum (D)

Casa Magica (D/ Lichtkunst)

Romanische Nacht "Mit allen Sinnen"

Freitag, 3. Oktober 2014, 20.00 Uhr

67697 Otterberg, Abteikirche

18.30 Uhr Kirchenführung

In Kooperation mit den Otterberger Abteikirchenkonzerten


John Potter

Das Ensemble Ordo Virtutum wurde vom Musikwissenschaftler und Mittelalterspezialisten Prof. Dr. Stefan Johannes Morent gegründet. Ziel ist die Verbindung von Interpretation und musikwissenschaftlicher Forschung, um einen Zugang zur musikalischen Welt des mittelalterlichen Europa zu eröffnen. Das Ensemble zählt inzwischen zu den renommiertesten seiner Art. Es betreibt für jedes Projekt umfangreiche eigene Forschungsarbeit und erhielt inzwischen Einladungen zu zahlreichen Festivals in Europa, USA und Australien, bei denen von der Presse »die artistische Meisterschaft in Gesang und Instrumentalspiel« besonders hervorgehoben wurde. 2011 erschien die CD „Notker der Dichter“ („Golden Label“-Preis), 2013 die CD „Hermann der Lahme - Das Wunder des Jahrhunderts“ mit Nominierung für den International Classical Music Award 2013 und Golden Label-Preis 2014.

Csilla Csövári (Sopran), Hubert Mayer (Tenor) und Benjamin Kobler (Synthesizer) arbeiteten eng mit Karlheinz Stockhausen zusammen und wirkten bei zahlreichen Uraufführungen seiner Werke mit. Die Lichtkünstler von Casa Magica (Friedrich Förster und Sabine Weißinger) arbeiten weltweit auf dem Gebiet der Architektur-Projektion und des plastischen Lichts, zuletzt u.a. bei der beeindruckenden Installation „Lux Eucharistica“ im Kölner Dom 2013.

Romanische Nacht „Mit allen Sinnen“
Klänge, Düfte und Bilder aus Mittelalter und Moderne

In die selten zu erlebende Welt sinnlicher Wahrnehmung im Mittelalter führt das Otterberger Konzert: So bekommt nicht nur das Ohr Klänge zu hören, sondern auch das Auge Besonderes zu sehen und die Nase Düfte zu erleben. Entgegen der heute gängigen Konzertpraxis nahmen die Menschen des Mittelalters die Musik immer in ihrer Totalität wahr, eingebettet in eine Gesamtinszenierung für alle Sinne.

Ensemble Ordo Virtutum interpretiert hierzu Organa aus der Notre Dame-Schule um 1200, jene ins Fantastische gesteigerte frühe Mehrstimmigkeit, bei der die Sänger zeitgenössischen Berichten zufolge im Chorraum durch Seidenvorhänge verborgen und mystisch entrückt waren, in Kombination mit Ausschnitten aus Karlheinz-Stockhausens Komposition „Düfte-Zeichen“ aus seinem Zyklus „Sonntag aus Licht“, in der im 20./21. Jh. die Synästhesie des Mittelalters wieder aufgegriffen wird, umrahmt und inszeniert mit der Lichtkunst von Casa Magica.

Ein besonderer Leckerbissen für Freunde sowohl früher wie zeitgenössischer Musik, ein Gesamtkunstwerk im nächtlichen Rausch der Klänge, Farben und Düfte in der Atmosphäre der Otterberger Abteikirche.

Die Fundamente für die gesamte Klosterkirche Otterberg wurden vor 1168 und bis nach 1177 gelegt. 1253 war die Kirche noch nicht vollständig fertig, was eventuell mit der besonderen entwässerungstechnischen Situation zusammenhängt, mit der man bis heute zu kämpfen hat. Im Jahre 1254 konnte die Kirche geweiht werden. Obwohl sie zu den größten romanischen Kirchen der Region gehört, belegen die westliche Giebelöffnung und die flacheren Gewölbescheitel, dass man mit gotischen Formen vertraut war. Mit der Zisterzienserkirche hat die oberrheinische Spätromanik und ihre Vorliebe für den Massenbau einen Höhepunkt erreicht.