KusoClaim

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

20.00 Uhr
Ensemble Ordo Virtutum /
Schola Cantorum Saliensis (DE)

 

Guillaume de Machaut
(um 1300-1377):
"Messe de Notre Dame"

 

Die Schola Cantorum Saliensis wurde 1995 von ihrem Leiter Christoph Keggenhoff gegründet, da die Pflege der Gregorianik am Dom zu Speyer intensiviert werden sollte. Von Anfang an war das Ziel, gregorianischen Choral musikwissenschaftlich fundiert und gleichzeitig als lebendige Musik erklingen zu lassen. Neben der Gestaltung der Liturgie im Speyerer Dom kamen auf die Schola weitere interessante Aufgaben in Liturgie und Konzert zu. Wirkungsstätten waren unter anderem die Klosterkirche Bursfelde, die ehem. Abtei Rommersdorf, die ehem. Zisterzienserabtei Otterberg, wie auch die Mitwirkung bei Festivals. Die Schola hat bislang zwei Aufnahmen gemacht, die CD „O clemens, o pia“ mit marianischem Schwerpunkt und die CD „Das Speyerer Gesangbuch von 1599“ mit Gesängen aus einem der ältesten deutschen Gesangbücher.

Das Ensemble Ordo Virtutum wurde vom Musikwissenschaftler Prof. Dr. Stefan Johannes Morent gegründet und gehört heute zu den renommiertesten Ensembles für Musik des Mittelalters. Ziel ist die Verbindung von Interpretation und musikwissenschaftlicher Forschung, um einen Zugang zur musikalischen Welt des mittelalterlichen Europa zu eröffnen. Das Ensemble betreibt für jedes Projekt umfangreiche eigene Forschungsarbeit und erhielt inzwischen Einladungen zu zahlreichen Festivals in Europa, USA und Australien, bei denen von der Presse „die artistische Meisterschaft in Gesang und Instrumentalspiel“ besonders hervorgehoben wurde. Nach seiner zuletzt erschienenen, preisgekrönten CD „Notker der Dichter“ folgt 2012 eine Einspielung mit Werken Hermanns des Lahmen in Co-Produktion mit dem UNESCO-Welterbe Insel Reichenau und dem SWR.

Guillaume de Machaut (um 1300-1377), der große Dichter und Komponist aus dem Frankreich des 14. Jahrhundert, hat auch die erste zusammenhängende mehrstimmige Vertonung des Mess-Ordinariums geschaffen. Zwar gab es schon vor ihm einzelne mehrstimmige Messe-Sätze, aber diese sind weder vollständig, noch stilistisch einheitlich, noch können sie einem einzelnen, namentlich bekannten Komponisten zugeschrieben werden. Hier tritt eine Komponisten- Persönlichkeit aus der Anonymität heraus - und uns in mehreren von Machaut selbst in Auftrag gegebenen, prächtig illuminierten Handschriften selbstbewusst entgegen.

Der genaue Anlass, für den Machaut seine Messe komponierte, ist nicht bekannt – vermutlich handelt es sich um eine Votiv-Messe zu Ehren der Jungfrau Maria im Sinne einer Stiftung für das eigene Seelenheil. Der Name „Messe de Nostre Dame“ könnte neben der Kathedrale Notre Dame zu Reims aber auch ganz allgemein eine „Messe zu Ehren Mariens“ meinen. Da Machaut nur die Ordinariums-Teile der Messe vertont hat, müssen diese für eine vollständige Aufführung durch ein entsprechendes Proprium choraliter ergänzt werden. Erst im Wechsel zwischen Ein- und Mehrstimmigkeit entfaltet Machauts Komposition ihre volle Wirkung. Und fast in allen Sätzen setzt Machaut als Rückgrat der Komposition einen bestehenden Choral als cantus firmus ein, über und um den herum sich das komplizierte Geflecht der anderen Stimmen erhebt.