Ensemble Magister Petrus (ESP)

"Phoebi claro"
Heidnische Mythen und mittelalterliche lateinische Lieder

Sonntag, 20. September 2015, 17.00 Uhr

76889 Klingenmünster, Mönchssaal

15.30 Uhr Kirchenführung

Magister Petrus

Das Ensemble Magister Petrus ist auf die Rekonstruktion und Aufführung von Musik aus der Romanik und frühen Gotik (ca. 1100 bis 1240) spezialisiert. Die von dem Musikwissenschaftler Mauricio Molina geleitete Gruppe arbeitet dabei vor allem mit lateinischen Liedern (Versen) und mit der Musik der ersten beiden Troubadour-Generationen. Die streng wissenschaftliche und musikalisch anspruchsvolle Rekonstruktion eines mittelalterlichen Repertoires stützt sich auf musikalische Primärquellen, ikonografische und literarische Belege sowie musikalische Überlieferungen. Auf dieser interdisziplinären Grundlage versucht Magister Petrus, einige besonders herausragende musikalische Überlieferungen des Mittelalters historisch und musikalisch stimmig zu präsentieren.

„Phoebi claro"
Heidnische Mythen und mittelalterliche lateinische Lieder

Mythen über heidnische Götter und Helden der Antike dienten den Komponisten mittelalterlicher lateinischer Lieder häufig als literarische Vorlage. Sie stellten die Verbindung zu einer ruhmreichen literarischen und rhetorischen Vergangenheit her und ermöglichten es gleichzeitig, irdischen Gefühlen abseits der Sprache liturgischer Dichtung und Musik Ausdruck zu verleihen. Mythologische Figuren wie Herkules, Venus, Klotho, Poseidon und Flora mit ihrer ewigen Schönheit, die von Ovid übernommen und mithilfe der antiken römischen Ikonografie verbildlicht wurden, brachten in diesen Liedern die geistige und körperliche Liebe im Kontext der klösterlichen und kirchlichen Wissenschaftskultur zum Ausdruck.

Die Ausstrahlung dieser mythischen Figuren wurde auch auf Naturkreisläufe bezogen: So verkörperte etwa der mächtige Phoebus (Apollo) den Sonnenaufgang.

Neben diesen griechisch-römischen Themen betrachteten die Komponisten auch die Musik selbst als mythisches Element, entstanden aus den harmonischen Zahlenverhältnissen der pythagoreischen Tetraktys, welche sich auch in sagenhaften Instrumenten wie der Lyra wiederfinden. Da diese Instrumente in den Liedtexten häufig vom Komponisten oder Aufführenden selbst gespielt wurden, konnten die Schöpfer dieses Liedguts ihre eigenen Vorstellungen der antiken Mythen zum Ausdruck bringen.

KlingenmünsterDas Benediktinerkloster Klingenmünster ,Clinga Monasterium’ (626 bis 1565) ist Namensgeber und Keim zelle des Ortes. Es handelt sich wahrscheinlich um das älteste der Urklöster Deutschlands. Man lebte nach den Regeln des heiligen Columban bis diese im 8. Jh. durch die Regeln des heiligen Benedikt (ora et labora) abgelöst wurden. Den Höhepunkt seiner Entwicklung mit hohem Stand an Bildung und Kultur hatte das Kloster zur Salier- und Stauferzeit, insbesondere unter Abt Stephan I. um 1100. Aus dieser Zeit sind noch bauliche Elemente erhalten: Das romanische Westwerk, die Doppelturmanlage mit Spindeltreppen, eine spätromanische Emporenkapelle, die Verbindung zum Abtshaus und die Mauern des Mönchs saals. Malereireste findet man nur noch über dem Chor bogen an der Ostwand (Umrisse einer Maria mit Kind). Ein ehemaliges südliches Querschiff (früher mit Apsis) ist heute Sakristei.