Ensemble Leones (D)

"Herr Neidhard diesen Reihen sang"

Samstag, 10. September 2016, 19.00 Uhr

76889 Klingenmünster, Mönchssaal

17.30 Uhr Kirchenführung

Leones

Das auf frühe Musik spezialisierte Ensemble Leones unter der Leitung von Marc Lewon hat sich über die Jahre einen Ruf bei Publikum und Fachpresse erarbeitet.

Die Arbeit des Ensembles zeichnet sich durch genaue Kenntnis der originalen Quellen und eine verinnerlichte Vertrautheit mit den historischen Musikstilen aus. Ein Merkmal ist die Entdeckung bislang unbekannter Werke aus Mittelalter und Renaissance. Hier setzt das Ensemble in seinen Konzerten und von der Kritik ausgezeichneten CD-Einspielungen (u. a. mehrere Nominierungen sowie Preisträger International Classical Music Awards, pizzicato supersonic) neue, ästhetische Akzente. Das Ensemble, dessen Mitglieder u.a. von der berühmten Schola Basiliensis kommen, konzertiert auf den Bühnen renommierter internationaler Festivals, wie z.B. dem Stockholm Early Music Festival.

"Herr Neidhard diesen Reihen sang"

Als Neidhart (1190-1240) seinen neuartigen "Anti-Minnesang" im oberdeutschen Raum verbreitete, konnte er kaum ahnen, dass seine Lieder ganze Generationen von Nachahmern inspirieren und seine Werke bis in die Zeit des Buchdrucks überliefert werden sollten. Garanten für seinen nachhaltigen Erfolg waren neben den eingängigen Melodien v.a. die markanten Liedtexte: Die Szenen finden nicht am Hof und zwischen Adligen statt, sondern auf dem Dorfanger und zwischen bauernähnlichen Gestalten. Ein Konflikt wird nicht mit wohlfeilen Worten ausgefochten, sondern artet oft genug in eine handfesten Schlägerei aus: das Zutatengemisch musste den Geschmack und den zum Grobianischen neigenden Humor des Spätmittelalters fast noch besser getroffen haben als den zu Neidharts eigener Zeit.

Ensemble Leones interpretiert eine Auswahl dieser Überlieferung und spielt Klassiker wie den "Veilchenschwank", die Geschichte vom "Goldenen Huhn", Berichte von bäuerlichen Tanzgeschehen, von Schlägereien und heiklen "Mutter- Tochter-Gesprächen". Zwischen diesen Liedern erklingen Instrumentalstücke, die die bäuerliche Welt der Neidhartlieder in Tanzzitaten imaginieren. Neben der höfischen Vielle und Laute erklingen deshalb auch Dudelsack und Drehleier.

KlingenmünsterDas Benediktinerkloster Klingenmünster ,Clinga Monasterium’ (626 bis 1565) ist Namensgeber und Keim zelle des Ortes. Es handelt sich wahrscheinlich um das älteste der Urklöster Deutschlands. Man lebte nach den Regeln des heiligen Columban bis diese im 8. Jh. durch die Regeln des heiligen Benedikt (ora et labora) abgelöst wurden. Den Höhepunkt seiner Entwicklung mit hohem Stand an Bildung und Kultur hatte das Kloster zur Salier- und Stauferzeit, insbesondere unter Abt Stephan I. um 1100. Aus dieser Zeit sind noch bauliche Elemente erhalten: Das romanische Westwerk, die Doppelturmanlage mit Spindeltreppen, eine spätromanische Emporenkapelle, die Verbindung zum Abtshaus und die Mauern des Mönchs saals. Malereireste findet man nur noch über dem Chor bogen an der Ostwand (Umrisse einer Maria mit Kind). Ein ehemaliges südliches Querschiff (früher mit Apsis) ist heute Sakristei.