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Benjamin Bagby

 

Beowulf
Ein angelsächsisches Epos aus dem 11. Jahrhundert

So, 6. September 2009, 17.00 Uhr

76889 Klingenmünster, Mönchssaal des Klosters
15.30 Uhr Klosterführung

Bagby

Der Sänger, Harfenist und Mediävist Benjamin Bagby, den die mittelalterliche Musik schon in früher Jugend begeisterte, nimmt seit über 25 Jahren eine bedeutende Stellung im Bereich Aufführungspraxis mittelalterlicher Musik ein. Seit 1977 widmete sich Benjamin Bagby fast ausschließlich der Forschungs, Aufführungs und Aufnahmetätigkeit von seinem Ensemble für Musik des Mittelalters, Sequentia. Zusätzlich beschäftigt sich Benjamin Bagby intensiv mit solistischen Aufführungen von angelsächsischer Dichtung in mündlicher Überlieferung: seine vielbeachtete bardische Aufführung des Beowulf Epos wurde weltweit gehört und 2007 als DVD veröffentlicht. In Ergänzung zur Entwicklung von Programmen für Sequentia und der damit verbundenen Forschungsarbeit hat Benjamin Bagby als Autor über mittelalterliche Aufführungspraxis geschrieben und ausgiebig veröffentlich. Als Gastprofessor und Dozent hat er Kurse und Workshops in ganz Europa und Nordamerika gegeben. Momentan unterrichtet er mittelalterliche Aufführungspraxis an der Sorbonne, Universität Paris.

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SWR2Dieses Programm wird von SWR mitgeschnitten und zu einem späteren Zeitpunkt im Hörfunkprogramm SWR2 gesendet.
Das angelsächsische Epos Beowulf ist nur in einer einzigen Handschrift aus dem 11. Jahrhundert erhalten (London, British Library, Cotton Vitelius A. XV). Obwohl sich die Gelehrten über seine Entstehungszeit nicht einig sind – die Vermutungen reichen vom 6. Jahrhundert bis zum Zeitpunkt der Anfertigung der Handschrift –, geht man davon aus, dass die Erzählung der Kunst des Scop („Schöpfer“), – des Geschichten erzählenden Barden, – entspringt. Dieser pflegte bei feierlichen Versammlungen, aber auch bei zwanglosen Zusammenkünften aufzutreten, und seine Dienste waren ein wesentlicher Bestandteil im Leben der Stammesgesellschaft im frühmittelalterlichen England. Der Scop erzählte die Geschichte vom Beowulf sowohl gesungen als auch gesprochen, und wahrscheinlich begleitete er sich auf einer sechssaitigen Leier (dies wissen wir aus zeitgenössischen Erzählungen, obwohl keine Notation überliefert ist, weil sie zur jener Zeit überflüssig war und nur Überreste damaliger Instrumente erhalten sind). Seine höfische Zuhörerschaft war mit allen Feinheiten von Klang und Bedeutung, von Versmass und Rhythmus, von Zeitdauer und Stimmung vertraut. Eine Aufführung, die für das gesamte Epos zwischen vier und sieben Stunden dauern konnte, wurde nie genau wiederholt, weil der vortragende Sänger auf subtile Weise dichterische Formeln veränderte, um seiner Fassung jedes Mal eine neue und einzigartige Gestaltung zu geben.
KlingenmünsterDas Benediktinerkloster Klingenmünster ,Clinga Monasterium’ (626 bis 1565) ist Namensgeber und Keim zelle des Ortes. Es handelt sich wahrscheinlich um das älteste der Urklöster Deutschlands. Man lebte nach den Regeln des heiligen Columban bis diese im 8. Jh. durch die Regeln des heiligen Benedikt (ora et labora) abgelöst wurden. Den Höhepunkt seiner Entwicklung mit hohem Stand an Bildung und Kultur hatte das Kloster zur Salier- und Stauferzeit, insbesondere unter Abt Stephan I. um 1100. Aus dieser Zeit sind noch bauliche Elemente erhalten: Das romanische Westwerk, die Doppelturmanlage mit Spindeltreppen, eine spätromanische Emporenkapelle, die Verbindung zum Abtshaus und die Mauern des Mönchs saals. Malereireste findet man nur noch über dem Chor bogen an der Ostwand (Umrisse einer Maria mit Kind). Ein ehemaliges südliches Querschiff (früher mit Apsis) ist heute Sakristei.